Wir sind dafür

Juni 8, 2009

Ich kann’s nicht schöner sagen, auch wenn mir das in anderer Stimmung vielleicht ein wenig pathetisch erscheinen wird. Warum der Titel „An der Schwelle eines Bürgerkrieges“ lautet, weiß allerdings vermutlich nur der Autor. Es klingt nicht nach Bürgerkrieg, sondern nach konstruktiven, starken Menschen, vielleicht zivilem Ungehorsam, aber eben gerade nicht nach Gewalt. Nicht von uns ausgehend.

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23. Mai

Mai 29, 2009

Ich habe die Jubilarin ungefähr 1972 kennen gelernt, da war sie 23, ich 6. Von Liebe konnte noch keine Rede sein, ich war zu klein, ich war ehrfürchtig. Damals war sie für mich eine makellose Schönheit, die beste aller Freundinnen. Als Jugendlicher und Jungerwachsener hatte ich dagegen Phasen, in denen ich ihre großen Krankheiten unerträglich fand und ihre Falten zum Gegenstand von aufwendigen Therapien machen wollte. Sie wollte nicht, störrisch wie immer. Ich habe später gelernt, das zu lieben, was sich an ungeschminkten Wahrheiten unter dem Makeup findet.

Sie hat schon immer Gefallen daran gefunden, sich kujonieren zu lassen. Jedenfalls sah es immer so aus. Ganze Heerscharen bedrängen sie, permanent, geführt von einer Gruppe, die sie eigentlich schützen soll. Neu ist, dass seit ein paar Jahren eine Frau die Anführerin dieser Gruppe ist. Wer die Jubilarin liebt, der entdeckt in ihr trotz allem eine trotzige Würde. Ich denke, sie kämpft ihren Kampf. Es gibt da eine andere Gruppe von hauptsächlich Männern, die es sich sehr angelegen sein lassen, dass sich alle an die Regeln halten. Die konnten bislang noch das Schlimmste verhindern. Über kurz oder lang werden sie aber entmachtet. Die Versuche sind zahlreich.

Ich fühle mich hilflos. Früher überwog der Ärger, die freundschaftliche Auseinandersetzung, seit wenigen Jahren habe ich mehr Angst um sie. Meine Frau ist übrigens nur selten eifersüchtig auf sie, denn sie sieht den platonischen Charakter meiner stillen Liebe.

Diese Liebe wird übrigens nicht wirklich erwidert. Meist bricht sie sich ja auch in sehr kritischen Worten und manchmal Aktionen Bahn. Dann schlägt die Jubilarin zurück, oder sind es ihre angeblichen Beschützer? Sehr verwirrend manchmal, aber nur für mich. Für ihre „Beschützer“ ist längst ausgemacht, welches Verhalten gut und welches böse ist, mehr noch, wer gut und wer böse ist. Nachdenklichkeit ist da nicht zu erwarten. Wer die Macht hat, seine Vorstellungen durchzusetzen, der bestimmt auch, wer was sagen darf. Wie das so ist im Wilden Westen.

Ich versuche dann einen Unterschied zu machen zwischen der Jubilarin und ihrer Umgebung. Emotional gelingt das manchmal nicht. Aber, seien wir ehrlich, so ein Auf und Ab ist doch in jeder Beziehung vorhanden und zeigt die emotionale Beteiligung.

Ich wünsche ihr noch ein langes, selbständiges, wehrhaftes, emanzipiertes Leben. Möge sie nicht zu viel beschützt werden.

Neid

Mai 26, 2009

Neid ist ein hässlicher, dabei um so stärkerer Antrieb.

Dieser Satz ist noch sehr bekannt und verbreitet. Die meisten denken zuerst an den Neid auf Materielles. Manchmal ist im Roman oder Film mitzuerleben oder in der Aphorismensammlung zu lesen, dass Neid und Missgunst auf das eigene Glück stärker sein und einen härter treffen können. Keinerlei Literatur kann einen aber auf das Erlebnis selbst vorbereiten.

Nachbarn stellen plötzlich fest, dass die Freude über das eigene Glück egoistisch sei, entdecken plötzlich Moral und Anstand (was könnte man da über die angeblich moralisch Überlegenen erzählen, wenn man wollte, will man aber nicht), lästern über behauptete und tatsächliche Schwächen oder Eigenarten (deren Wertung und Beurteilung wie immer im Auge des Betrachters liegt).

Wohl dem, dessen Piesacker tatsächlich lediglich Nachbarn sind, er kann, spätestens nach dem Schwelgen in einer ausgiebigen nicht jugendfreien Fantasie, darüber lachen. Schlager wie Ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens oder Lass die Leute reden von Den Ärzten schön laut aufdrehen kann auch sehr befreiend wirken. Verletzend wird es, wenn einem die Neider etwas bedeuten oder wenn sie die Chance haben, den persönlichen Lebensbereich zu treffen. Andere versuchen vielleicht sogar, mit ihren Diffamierungen z.B. überzogene Geldforderungen zu untermauern. Familiengerichte haben in ihren Akten den Neid der Menschen auf das Glück ihrer Ex-Partner tausendfach dokumentiert.

Vielleicht sind deshalb Serien im Dallas-Format zur Zeit nicht mehr en vogue, weil wir es satt haben, uns selbst zu beobachten. Lieber wollen wir in andere Welten eintauchen und uns dabei beobachten, wie wir edel sind, hilfreich und gut.

Wir Menschen neigen zu Vereinfachungen. Schwarz-weiß, wie wir meist gestrickt sind, machen wir Gegensatzpaare auf: Glaube oder Vernunft (Wunderillusion oder Wissenschaftsillusion), rechts oder links, Wärme oder Kälte, Vertrauen oder Misstrauen, wahlweise das eine gut und das andere böse. Die Nachrichten- und Unterhaltungsmedien, zu deren Handwerkszeug die Vereinfachung selbstverständlich dazu gehört, tragen das Ihre dazu bei wie schon die staatliche und kirchliche Propaganda.
   Von einem Roman erwarte ich normalerweise etwas Anderes. Natürlich haben die Glaubensbastionen ihre Verlage, im Springer-Verlag (nicht Axel) gibt es wohl Romane gar nicht erst, und von Herder und Consorten erwarte ich von vornherein eine Darstellung durch die Brille des Gläubigen. Diesmal aber ließ mich meine 40-jährige Erfahrung als Leser im Stich, vielleicht aber auch, weil mir der Amman-Verlag und Eric-Emmanuel Schmitt als Autor so gut wie nicht bekannt waren. Ich erwartete einen Roman, mit Tiefen, Details, Fragen, differenzierten Ausleuchtungen der Wirklichkeit. Er kommt auch in diesem Gewand daher. Letztlich aber ist Das Evangelium nach Pilatus von Eric-Emmanuel Schmitt doch nicht mehr als ein frommes Buch.
   Selbst das, was die Bibel ohne historisch-kritischen Filter betrachtet an angeblichen Details von Lehre und Wirken Jesu bringt, wird nur angerissen. Der Autor wählt aus, dafür ist er da, aber nicht, um den Blick des Lesers auf ein für wichtig gehaltenes Element des »Lebenswerks« oder der Aktivität Jesu zu konzentrieren. Es entsteht kein Bild des Nazareners Jeschua (aramäische Namensform zu »Jesus«). Jeschua bleibt bewusst unscharf. Wichtig ist dem Autor: Jesus glaubt irgendwann von sich selbst, ein Gott und der verheißene Messias zu sein, und zwar ganz so, wie es die direkte wörtliche Übernahme biblisch-christlicher Mythen in die herkömmliche Lehre der Kirche vorsieht. Wohl gemerkt, die herkömmliche – in vielen Gemeindehäusern werden andere Kindergottesdienste und in vielen Schulen wird ein anderer Religionsunterricht gemacht, als Herr Schmitt ihn machen würde. Dieser einfache Wunderglaube ist ohne Inhalt: Vergebung: nicht gefüllt, Reich Gottes: übersetzt als transzendentes Reich, die Nächstenliebe wird als aggressive Waffe dargestellt, vor der die bloße Gewalt und Macht angeblich zurückweicht, … Die Auferstehung (als Wunder ohne inhaltliche Aussage) hat als irrationales Element geglaubt zu werden, Pilatus’ Herangehensweise und Erklärungsmuster stehen für den rationalen Zweifel, und am Ende des Buches ist Pilatus ein Gläubiger.
   Um Pilatus’ Bekehrung in diesem evangelikalen Sinn kreist der zweite, eigentliche Teil des Buches. Der äußere Aufbau des Romans ist ein Spiegel dieser frommen Themen- und Aussagebeschränkung: Im ersten, deutlich kürzeren Teil, erzählt Jeschua im Zeitraffer sein Leben. Anfangs noch vorhandene Andeutungen von inhaltlicher Auseinandersetzung werden hier schon zurückgedrängt zugunsten der alles entscheidenden Frage: Bin ich der Messias oder nicht? Der zweite Teil ist ein Briefroman, Pilatus schreibt an seinen Bruder Titus. Mit der Wahl der Briefform umgeht Schmitt vielleicht unbewusst sein größtes erzählerisches Manko: Er tut sich schwer damit, Gefühle, verarbeitete Erfahrung, Gedanken seiner Romanfiguren durch Handlung, Gesten, Mimik, Sprachgesten auszudrücken. Im Brief ist es natürlicher, Empfindungen, Gedanken und Gefühle expressis verbis zu zeigen.
   Ich kenne Eric-Emmanuel Schmitt wie gesagt kaum, es ist also durchaus möglich, dass andere Bücher in handwerklicher oder inhaltlicher Hinsicht besser gelungen sind. Zum Evangelium nach Pilatus ist mein Urteil dies: Ein erbauliches Buch im modernen, aufklärerischen Gewand, das nicht in das Romane-Regal gehört, sondern in die Abteilung mit den christlichen Spruchkärtchen umziehen sollte.

Ein Buch mit diesem Titel würde mich normalerweise nicht interessieren. Das klingt mir zu sehr nach Groschenroman. Nun gibt es das von Rita Mae Brown, die intelligente Unterhaltung schreibt. Der Originaltitel: Riding Thunderstorm. Nach dem Lesen des Buchs wusste ich, welcher Titel am besten passt, der originale.

Was treibt deutschsprachige Verlage dazu, derartiges Schindluder mit Büchern zu treiben? Anscheinend verkaufen sich Bücher mit schnulzigen Titeln besser. Und anscheinend ist es egal, ob das Buch hinterher auch gelesen wird. Die Verkaufsmasse macht’s, und anscheinend fühlt sich von den verarschten Lesern keiner verprellt, vielleicht sollte das Buch ohnehin nicht gelesen werden, sondern im Regal im eigenen oder fremden Zuhause vergammeln.

Weitere Beispiele:

The Last Anniversary wird zu Ein Geschenk des Himmels,
Definitely dead
wird zu Ball der Vampire,
In Her Day
zu Goldene Zeiten.

Galopp ins Glück ist mein derzeitiger Favorit. Aber das kann sich ändern. Schreibt mir eure Favoriten. Wenn sich ein bisschen was sammelt, mache ich eine Umfrage. Für den Gewinner suche ich eine Goldene Träne, als Bild, verleihe sie dem betroffenen Verlagshaus hier im Blog, und schicke auch eine e-mail an den Verlag. Lust?

Billigflieger ist nicht gleich Billigflieger. Ungern, aber gelegentlich wegen des Preises doch, buche ich bei germanwings. Allerdings jetzt zum letzten Mal. Manchmal ist sogar die Lufthansa billiger als germanwings, man muss nur hinsehen. Angenehm ist das Fliegen auch mit AirBerlin. Und wenn ich die ABB und AGB so durchsehe und auf die Schnelle richtig verstehe, wäre mein aktuelles Erlebnis mit dem Billigflieger AirBerlin anders verlaufen als mit dem Billigflieger germanwings.

Gebucht habe ich bereits im September für jetzt, Ende November. Ende Oktober erfuhr ich von der Notwendigkeit einer ambulanten OP. Anfang November war ich operiert, aber durch nicht vorhersehbare Schwierigkeiten konnte mir meine Ärztin einen Flug Ende November noch nicht erlauben, nach damaligem Stand eigentlich erst nächstes Jahr. Umbuchen geht nur per Internet oder per teurer Hotline, und nur gegen insgesamt 60 Euro brutto Aufschlag. Reine Strafgebühr fürs Umbuchen. Ja, sagt germanwings und sagt das Kapitalunternehmen Rechtsschutzversicherung über das Unternehmen germanwings, AGB seien AGB (so so), und genau für den Zweck gibt es ja Reiserücktrittversicherungen (10 Euro bei germanwings, 5 Euro bei AirBerlin). Auch die Verbraucherzentralen stellen dies im Internet nicht rosiger dar für den Kunden, allerdings nicht unbedingt billigend.

Umbuchen geht Mitte November auch nicht ins nächste Jahr hinein, bei germanwings. Ein Anruf bei dem Unternehmen ergab, dass es ihnen komplett egal ist, ob ich krank bin oder mich verplant und mir das mit den Flugzeiten einfach nicht so richtig überlegt habe. Eine Erstattung kommt nur im Umfang der Gebühren und Steuern in Frage, nicht des Flugpreises, und nur nach Abzug einer saftigen Strafe, äh, Gebühr.

So sieht das nämlich aus: Gut zwei Monate früher buche ich meinen Flug, und bucht die Fluggesellschaft den kompletten Flugpreis einschließlich Gebühren und Steuern ab. Ein immenser Zinsvorteil, weil das ja viele so machen, nicht nur ich. Ich habe mich eineinhalb Wochen vor dem gebuchten Flug gemeldet und erklärt, dass ich ärztlicherseits flugunfähig erklärt bin. Genug Zeit, meinen Platz im Flugzeug wieder mit einem zahlenden „Gast“ zu besetzen. Und jetzt wird natürlich, weil viel kurzfristiger, ein höherer Flugpreis verlangt. Die Fluggesellschaft hat also ohnehin schon gewonnen, bevor sie überhaupt geleistet hat. Auf jeden Fall: keine Verluste. Worin gründet das vermeintliche Recht der Fluggesellschaft, mir hier völlig überzogene Gebühren abzuziehen? In der Macht des Stärkeren.

Ich kann nur hoffen, dass viele entdecken, dass sie nicht so machtlos sind, wie sie in diesem Marktspiel zu sein glauben. Es gibt noch andere Fluggesellschaften als germanwings. Nicht vergessen …

Eh alles zu spät!?

November 11, 2007

  • Heimliche telefonische Überwachung von Journalisten und Rechtsanwälten mit Protokollen an die Bundesanwaltschaft, ohne Benachrichtigung der Betroffenen bzw. ihrer Arbeitgeber, auch nicht danach
  • Rasterfahndung im Briefzentrum, an Zeitungsredaktionen gerichtete Briefe werden durchkämmt
  • Vorratsdatenspeicherung

Wozu noch der so genannte Schäuble-Katalog? Ohnehin läuft doch alles nach Plan. Ab und zu sickert mal was durch, damit können wir leben.

Und auf der anderen Seite? Warum regen sich alle so auf, Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Abgeordnete von Linken und Grünen, sogar ein paar so genannte Liberale? Kampf gegen Windmühlen.

Nun, es ist nicht einfacher geworden, das ist richtig. Aber macht es nicht einen großen Unterschied, unter welchen äußeren Rahmenbedingungen wir uns gegen Behördenwillkür wehren? Die Stimmung jedenfalls bei den Entscheidern kippt immer weiter. Egal, was Gerichte, was Juristen zur Verfassungskonformität von Behördenpraxis und Gesetzen sagen, Legislative und Exekutive machen, was sie wollen. Statt die beeidete Verfassung zu lieben oder ihr wenigstens loyal gegenüber zu stehen, wird sie gedehnt und ausgelotet, und Grundgesetzänderungen sind ja in Zeiten großer Koalitionen auch kein großes Problem mehr.

Grundgesetzänderungen müssen wir verhindern. Die Gesetzesvorhaben müssen wir unter möglichst geschickter Ausnutzung der Entscheidungswege in unserer Lobbydemokratie in verfassungskonforme Bahnen lenken. Und dann soll aber keiner glauben, dass dann schon alles geschafft sei. Dann müssen wir aufpassen, dass sich Exekutive, Unternehmen und Bürger auch an das parlamentarisch gefundene Recht und Gesetz halten. Dazu brauchen wir emanzipierte Bürger, starke Verbände (siehe Lobby, z.B. Gewerkschaften, politische Parteien, Berufsverbände, Vereine), unabhängige Medien und dem Rechtsstaatsideal und der Verfassung verpflichtete, ansonsten unabhängige Gerichte.

Kurz, an jeder der in den Schlagzeilen sichtbaren Seiten des gesellschaftlichen Umbaus müssen wir ansetzen, nicht das eine gegen das andere ausspielen und zufrieden oder resigniert nichts tun.

Das ist banal? Steht in jedem Schulbuch? Warum werden diese Banalitäten dann gerade dieser Tage so vehement in Frage gestellt? Warum komme ich wohl auf die Idee, es noch einmal aufschreiben zu müssen? Vielleicht weil ich Angst habe, dass die große Mehrheit der republikanischen Bevölkerung den demokratischen Prozess den Schäubles überlässt?