Wir sind dafür
Juni 8, 2009
Ich kann’s nicht schöner sagen, auch wenn mir das in anderer Stimmung vielleicht ein wenig pathetisch erscheinen wird. Warum der Titel „An der Schwelle eines Bürgerkrieges“ lautet, weiß allerdings vermutlich nur der Autor. Es klingt nicht nach Bürgerkrieg, sondern nach konstruktiven, starken Menschen, vielleicht zivilem Ungehorsam, aber eben gerade nicht nach Gewalt. Nicht von uns ausgehend.
http://www.volkszertreter.de/2009/06/07/fxmbr-an-der-schwelle-eines-burgerkrieges/trackback/
Wirtschaftskrise, sog.
Mai 29, 2009
Während der Rechner für mich arbeitet, wofür er da ist, hab ich Zeit, mir was zu trinken zu holen und ein bisschen über das Leben nachzudenken.
Ich hab ja neulich gelacht: Dass »ihm« € 200 für (diesmal nicht dringend benötigte) Arbeitsmittel zu viel sind, war nicht unerwartet. Aber dass er dafür als Grund die sog. Wirtschaftskrise bemühte, hat mich sehr überrascht
Heute muss ich noch mehr lachen: € 500 für Werbegeschenke (Kugelschreiber) sind kein Problem. Alles klar?
Entlassungen sind aber bei uns keine zu erwarten. Wie ist das, glauben Sie es, wenn Sie in den Nachrichten oder von Ihrem Chef hören, dass die Kapitalkrise zu Entlassungen zwingt? Verraten Sie es mir:
23. Mai
Mai 29, 2009
Ich habe die Jubilarin ungefähr 1972 kennen gelernt, da war sie 23, ich 6. Von Liebe konnte noch keine Rede sein, ich war zu klein, ich war ehrfürchtig. Damals war sie für mich eine makellose Schönheit, die beste aller Freundinnen. Als Jugendlicher und Jungerwachsener hatte ich dagegen Phasen, in denen ich ihre großen Krankheiten unerträglich fand und ihre Falten zum Gegenstand von aufwendigen Therapien machen wollte. Sie wollte nicht, störrisch wie immer. Ich habe später gelernt, das zu lieben, was sich an ungeschminkten Wahrheiten unter dem Makeup findet.
Sie hat schon immer Gefallen daran gefunden, sich kujonieren zu lassen. Jedenfalls sah es immer so aus. Ganze Heerscharen bedrängen sie, permanent, geführt von einer Gruppe, die sie eigentlich schützen soll. Neu ist, dass seit ein paar Jahren eine Frau die Anführerin dieser Gruppe ist. Wer die Jubilarin liebt, der entdeckt in ihr trotz allem eine trotzige Würde. Ich denke, sie kämpft ihren Kampf. Es gibt da eine andere Gruppe von hauptsächlich Männern, die es sich sehr angelegen sein lassen, dass sich alle an die Regeln halten. Die konnten bislang noch das Schlimmste verhindern. Über kurz oder lang werden sie aber entmachtet. Die Versuche sind zahlreich.
Ich fühle mich hilflos. Früher überwog der Ärger, die freundschaftliche Auseinandersetzung, seit wenigen Jahren habe ich mehr Angst um sie. Meine Frau ist übrigens nur selten eifersüchtig auf sie, denn sie sieht den platonischen Charakter meiner stillen Liebe.
Diese Liebe wird übrigens nicht wirklich erwidert. Meist bricht sie sich ja auch in sehr kritischen Worten und manchmal Aktionen Bahn. Dann schlägt die Jubilarin zurück, oder sind es ihre angeblichen Beschützer? Sehr verwirrend manchmal, aber nur für mich. Für ihre „Beschützer“ ist längst ausgemacht, welches Verhalten gut und welches böse ist, mehr noch, wer gut und wer böse ist. Nachdenklichkeit ist da nicht zu erwarten. Wer die Macht hat, seine Vorstellungen durchzusetzen, der bestimmt auch, wer was sagen darf. Wie das so ist im Wilden Westen.
Ich versuche dann einen Unterschied zu machen zwischen der Jubilarin und ihrer Umgebung. Emotional gelingt das manchmal nicht. Aber, seien wir ehrlich, so ein Auf und Ab ist doch in jeder Beziehung vorhanden und zeigt die emotionale Beteiligung.
Ich wünsche ihr noch ein langes, selbständiges, wehrhaftes, emanzipiertes Leben. Möge sie nicht zu viel beschützt werden.
Neid
Mai 26, 2009
Neid ist ein hässlicher, dabei um so stärkerer Antrieb.
Dieser Satz ist noch sehr bekannt und verbreitet. Die meisten denken zuerst an den Neid auf Materielles. Manchmal ist im Roman oder Film mitzuerleben oder in der Aphorismensammlung zu lesen, dass Neid und Missgunst auf das eigene Glück stärker sein und einen härter treffen können. Keinerlei Literatur kann einen aber auf das Erlebnis selbst vorbereiten.
Nachbarn stellen plötzlich fest, dass die Freude über das eigene Glück egoistisch sei, entdecken plötzlich Moral und Anstand (was könnte man da über die angeblich moralisch Überlegenen erzählen, wenn man wollte, will man aber nicht), lästern über behauptete und tatsächliche Schwächen oder Eigenarten (deren Wertung und Beurteilung wie immer im Auge des Betrachters liegt).
Wohl dem, dessen Piesacker tatsächlich lediglich Nachbarn sind, er kann, spätestens nach dem Schwelgen in einer ausgiebigen nicht jugendfreien Fantasie, darüber lachen. Schlager wie Ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens oder Lass die Leute reden von Den Ärzten schön laut aufdrehen kann auch sehr befreiend wirken. Verletzend wird es, wenn einem die Neider etwas bedeuten oder wenn sie die Chance haben, den persönlichen Lebensbereich zu treffen. Andere versuchen vielleicht sogar, mit ihren Diffamierungen z.B. überzogene Geldforderungen zu untermauern. Familiengerichte haben in ihren Akten den Neid der Menschen auf das Glück ihrer Ex-Partner tausendfach dokumentiert.
Vielleicht sind deshalb Serien im Dallas-Format zur Zeit nicht mehr en vogue, weil wir es satt haben, uns selbst zu beobachten. Lieber wollen wir in andere Welten eintauchen und uns dabei beobachten, wie wir edel sind, hilfreich und gut.
Umverteilungsjahr 2009
Januar 19, 2009
Das Jahr fängt an mit der normalerweise harmlosen Lektüre des Magazins »meiner« Krankenversicherung. Normalerweise erinnern die Artikel des Blättchens an die Apothekenwerbeschriften, in denen Mittelchen beworben werden, nur dass hier gute Laune für ein schon lange marodes Gesundheitssystem und seine Leistungen und vor allem die Lücken verkauft werden soll. So weit, so normal. Diesmal allerdings wird die sog. Bürgerversicherung erklärt, wie gewohnt stark vereinfachend, aber die wenigen Fakten reichen, um mir einen beschleunigten Toilettengang zu bescheren. Ich hatte die Diskussion um die Bürgerversicherung in der letzten Zeit nicht mehr verfolgt, nur die Nachrichtenhäppchen genossen, die die Medien von sich gegeben haben. Den einheitlichen Satz, der für die Mehrheit der Versicherten eine Erhöhung bedeutet (zu einem deutlich geringeren Teil für etwaige Unternehmer, denen der Versicherte dienstverpflichtet ist), den hatte ich noch mitbekommen, und, dass 15,5 % den meisten Versicherungen von vornherein nicht reicht.
In den nächsten Sätzen wird deutlich, um wie viel mehr sich die Neuauflage des Bismarckschen Zwangskrankenversicherungs-Arbeiterberuhigungs-Systems von einer Volksversicherung oder einer irgendwie solidarischen Idee entfernt hat. Es geht darum, dass das Fußvolk seine maroden Gesundheitskassen selbst sanieren soll, durch Umverteilung innerhalb des Topfes und durch Deckelung der Kosten. Das wird natürlich so nicht gesagt, aber das ist es, was diese Reform, wie so viele der letzten Zeit, bedeutet. Bislang schien es wenigstens noch so, als würden von den gesetzlichen Kassen Kosten für Krankheiten übernommen, die eben anfallen. Jetzt ist es so, dass es den Kassen überlassen bleibt, Geld dafür aufzutreiben, wenn ein Fall den vordefinierten Rahmen sprengt. Die gesetzliche Krankenversicherung gleicht sich dem Privatversicherungsprinzip mehr und mehr an, bleibt aber eine Pflichtversicherung mit einem sehr hohen Beitragssatz.
Wo das Geld geblieben ist, das die wirtschaftlich noch einigermaßen gesunden Kassen jetzt in einem gigantischen erweiterten Risikostrukturausgleich in die kaputten Allgemeinen Ortskrankenkassen und Betriebskrankenkassen pumpen müssen, wurde schon längst analysiert: Es versandet in überzogenen Preisen der Medizinprodukte- und Arzneimittelindustrie, der Krankenhäuser, im System der privat liquidierenden Ärzte an öffentlichen Kliniken. Es wird für krankenversicherungsfremde, eigentlich staatliche Sozialleistungen wie das Mutterschaftsgeld oder die Familienversicherung ausgegeben. Es entsteht dadurch, dass Ärzte zunehmend Angst vor einer Überprüfung ihrer ärztlichen Sorgfalt und Fachkenntnis haben müssen, und ihre eigene Absicherung auf Kosten der Krankenversicherten mit nicht wirklich nötigen Untersuchungen betreiben, die Berufserfahrung, Zuhören und andere Heilerqualitäten ersetzen müssen.
Die bisherigen Sparbemühungen haben die Gesundheitsversorgung nicht billiger gemacht, im Sinn von kostengünstiger und kosteneffizienter, dafür aber billiger im Sinn von schlechter. Schlechte Leistungen ziehen, in jedem Arbeitsgebiet, kostenintensive Aufräumarbeiten nach sich. Die Kosten werden durch das Herumdoktern am kranken System also in die Höhe getrieben statt gesenkt. Für die Krankenversicherungen gilt das jedenfalls solange, solange die Gesundkeitsversorgung noch halbwegs als öffentliche Aufgabe begriffen wird, und solange das System nicht einfach implodiert. Die Erosion ist bereits sichtbar, in der Apotheke, beim Arzt, überall gilt die erste Frage dem Geldbeutel: Können Sie sich eine angemessene Behandlung überhaupt leisten? Solange Sie den Almosenkassen angehören, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie trotz „Zuzahlung“ (bei einer Brille 98 %) nur die Grundversorgung bekommen; wir lassen Sie nicht hopsgehen, das ist aber auch alles.
Das oben Gesagte ist nicht neu, und doch wird es in unseren real existierenden Medien nicht gesagt. Es ist mit den Händen greifbar, und doch will es kaum einer wahrhaben. Irgendein Priester des nächsten BWL-Tempels erklärt uns die Wirklichkeit so, wie wir sie sehen sollen und wohl auch wollen, und wir gehen zur Tagesordnung über. Wir glauben, dass das Geld, unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, wirklich nicht da sei, das Geld, das wir erarbeitet haben. Dabei: Ein Bruchteil dessen, was jetzt die maroden Banken und anderen Unternehmen bekommen, ohne effektive Deckelung übrigens, würde in einem tatsächlich reformierten Krankenversicherungssystem wie ein Befreiungsschlag wirken.
Gute Nacht.
mupan
Re: Petition gegen Versammlungsgesetz
August 6, 2008
Sehr geehrter Herr ..., der Ausschuss für Verfassungs-, Rechts- und Parlamentsfragen hat Ihre Eingabe zusammen mit dem Gesetzentwurf der Staatsregierung für ein Versammlungsgesetz (Drs. 15/10181) in der Sitzung vom 10.07.2008 beraten und beschlossen, die Eingabe aufgrund der Zustimmung des Ausschusses zum Gesetzentwurf der Staatsregierung als erledigt zu betrachten (§ 80 Nr. 4 der GeschO). Die Vollversammlung des Bayerischen Landtags hat nach Durchführung der Zweiten und Dritten Lesung des Gesetzentwurfs in der Sitzung am 16.07.2008 diesen Beschluss bestätigt. Mit freundlichen Grüßen XXX Regierungsdirektor
Ich weiß nicht. Soll ich jetzt einen Abgesang auf die Demokratie schreiben, wo mir doch vorher klar war, wie es einer Petition eines Demokratie-Liebhabers unter einer absoluten CSU-Mehrheit ergeht? Soll ich mich fragen, wovor sie Angst haben, dass sie nicht mal Argumente zur Kenntnis nehmen? Wahrscheinlich haben sie keine Angst, sondern sind sie einfach nur arrogant.
Interessant finde ich, dass die Geschäftsordnung diese demokratiefeindlichen Tricks zulässt. Wozu überhaupt Petitionen schreiben? Wäre mir nicht vorher klar gewesen, dass ich die Petition nicht für den Landtag schreibe, wäre ich jetzt enttäuscht. Was soll sich jemand denken, der an unsere Demokratie glaubt?
Raubkopierer: Hand ab
Juli 4, 2008
Es sollte entsprechend dem aktuellen Trend in unserer Republik ein neues altes Strafgesetzbuch aufgelegt werden, mit unter anderem folgenden Strafen. Achtung, nicht missverstehen: Dieser Vorschlag ist nicht ernst gemeint, sondern sarkastisch.
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Diebstahl
(z.B. unbezahlter Download überteuerter Musik oder Filme)-
Hand ab.
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- Verfassungsbruch durch Exekutive, Legislative, Nicht-Verfassungsgerichte
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Politisch missliebige Äußerungen durch Bürger
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Erläuterung der Lage durch einen Fernsehmoderator
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Überwachung durch Dienste
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Petition gegen Versammlungsgesetzentwurf
Juli 3, 2008
An den Präsidenten des Bayerischen Landtag
Maximilianeum
81627 München
Eingabe an den Bayerischen Landtag
Gesetzentwurf der Staatsregierung eines Bayerischen Versammlungsgesetzes
Sehr geehrter Herr Präsident,
ich, der Unterzeichner, fordere den Landtag auf, den Gesetzentwurf eines Bayerischen
Versammlungsgesetzes (Drs. 15/10161) nicht zu verabschieden.
Die Staatsregierung verfolgt nach ihrer Begründung mit diesem Gesetz das Ziel, rechtsextreme
Versammlungen restriktiver handhaben zu können. Ob und mit welchem Ergebnis geprüft wurde,
ob dieses Ziel nicht bereits mit dem vorhandenen, Grundrechte weniger einschneidenden
Regularium erreichbar ist, wurde nicht überzeugend dargestellt.
Im Widerspruch zur Begründung ist die Anwendung der Bestimmungen nicht auf eine bestimmte
Gruppe beschränkt, was gesetzestechnisch auch schwer umzusetzen wäre. Damit trifft es also
alle Demonstrationen und Versammlungen. Die meines Erachtens erfolgversprechendere
politische Auseinandersetzung mit rechten Vorurteilen wird so erschwert, indem restriktiv
unterschiedslos gegen alle vorgegangen wird. Die Begründung, die Verbreitung rechtsextremen
Gedankenguts über Versammlungen unterdrücken zu wollen (statt rechtsextreme Gedanken
durch Aufklärung zu bekämpfen), zeigt sich damit als absurdes, durchsichtiges, nicht haltbares
vermeintliches „Killer-Argument“.
Der Inhalt der Bestimmung verfolgt ohnehin andere Ziele, jedenfalls ist das zu unterstellen, wenn
erzielte Ergebnisse in einem durchdachten, erarbeiteten Gesetzentwurf als gewollt und überprüft
angenommen werden.
Von den vielen Kritikpunkten am Gesetzesinhalt möchte ich hier das Gewicht auf die
grundlegenden legen, die für sich allein ausreichen, das gesamte Gesetzesvorhaben in Frage zu
stellen. Im Ergebnis sollte es also nicht weiter verfolgt werden, womit das
Bundesversammlungsgesetz weiterhin gilt und die deutlich höhere Rechtssicherheit beim
Bundesversammlungsgesetz durch klareren Wortlaut und vorhandene Rechtsprechung
Demonstrationen und Versammlungen weiterhin gewährleistet. Oder es wird eine überarbeitete
Fassung vorgelegt, die sich nicht wesentlich vom Bundesversammlungsgesetz unterscheiden
dürfte.
In dem Entwurf wird der in der Verfassung begründete Gewaltenteilungsgrundsatz ignoriert. Die Exekutive erhält Entscheidungsbefugnisse, die der Legislative vorbehalten sind. Das Fehlen oder
die sehr unbestimmte Fassung der Kriterien, die die Ordnungsbehörden entsprechend der Norm
für ihre Entscheidungen heranziehen sollen, würde bewirken, dass die Behörden über
Grundrechtseinschränkungen befinden müssen. Insbesondere gilt dies für die Abwägung, ob
Rechte Dritter unzumutbar beeinträchtigt werden.
Der Entwurf vermeidet die Definition harter Kriterien, die, ggf. nach Überprüfung durch das
Verfassungsgericht, den Rahmen bilden könnten, in dem in einem Rechtsstaat staatliches,
exekutives Handeln stattzufinden hat.
Der Gesetzesentwurf versucht, Leiter und Ordner durch Registrierung, Pflichten und
Haftungsandrohungen zum verlängerten Arm der Ordnungsbehörden zu machen. Dadurch und
durch die Unbestimmtheit der Anforderungen werden Leiter und Ordner einem rechtlichen und oft
wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt, das allenfalls große Organisationen decken können. Die
abschreckende Wirkung führt zu weniger Versammlungen und damit zu weniger aktiver
Demokratie. Wie essentiell Versammlungen für eine lebendige und auch, z.B. gegenüber
Rechtsextremen, wehrhafte Demokratie sind, drückt sich im Rang der Versammlungsfreiheit als
bürgerliches Grundrecht unzweifelhaft aus. Ein Rang, den andere Kandidaten wie z.B. das Recht
auf Arbeit nie erreicht haben. Das sollte der Staatsregierung, spätestens aber dem Parlament
eigentlich zu denken geben.
Post
März 24, 2008
700 von 800 Postfilialen werden geschlossen, ist in der Zeitung zu lesen. 3000 Arbeitsplätze sind bedroht. Ich denke aber jetzt darüber nach, was das für mich als Kunden bedeutet.
Wir sollen beruhigt werden: Es gibt ja überall Poststellen, »Postpoints«. Das ist schön, da kann ich meine Briefmarken kaufen – aber eigentlich noch besser mit Geldkarte am Automaten. Leider kriegt aber die Post die Sache mit den nicht ankommenden Briefen nicht in den Griff. Wenn es schwieriger ist, den Inhalt eines Briefes neu zu beschaffen, oder wenn ich möchte, dass ein Gruß an meine Tochter zu Ostern auch ankommt, bleibt mir also nur, ein Einschreiben aufzugeben. Und Einschreiben gehören nicht zu den »Postpoint«-Produkten. Die Entfernung zur Postfiliale soll auf dem Land bis zu 40 km betragen. Das, liebe Post, ist euer Tod. Hermes z.B. und andere Götterboten werden immer interessanter, und natürlich die elektronische Kommunikation. Allen anderen einen schönen Rest-Feiertag, der Post ein fröhliches: Gute Nacht! Den Rest des Beitrags lesen »
Alpha-Kater und Gewerkschaften
Februar 13, 2008
Als ich unseren Katzen beim Hühnchenessen zugesehen habe, musste ich an Gewerkschaftsarbeit denken. Lachen Sie nicht, Sie werden es wahrscheinlich gleich verstehen.
Katzen sind, wie alle Raubtiere und die meisten anderen Tiere wohl auch, nicht zu „sozialem Verhalten“ zu erziehen. Das funktioniert einfach nicht. Was wir „soziales Verhalten“ nennen, ist eigentlich ein Gebot der Vernunft: Es ist einfach klüger, wenn sich Angehörige einer Art nicht gegenseitig den Schädel einschlagen. Interessanterweise scheint es aber bei den Katzen ein gesundes Gleichgewicht zwischen Konkurrenz oder Ellbogen auf der einen Seite und Leben-Lassen auf der anderen zu geben. Nur bei uns Menschen ist diese Balance abhanden gekommen, so dass wir dabei sind, uns selbst umzubringen und den ganzen Planeten gleich kräftig mit reinzureiten, sogar grundsätzlich zu gefährden. Und uns währenddem noch fröhlich zerfleischen.
„Soziales Verhalten“ ist eigentlich vernünftiges Verhalten, habe ich gesagt. Weil wir Menschen aber nach wie vor Triebtiere sind, versuchen wir vielfach, uns selbst und gegenseitig durch altruistische Ideen und daraus entstandene Leitlinien auf dem Weg über das Gefühl zu dem gewünschten Verhalten zu überreden. Populäre Beispiele dafür findet man in der Parteipropaganda jeder Partei. Etablierte Religionen sind in dieser Sparte natürlich Evergreens.
Im Gegensatz dazu ist die Arbeit von Gewerkschaften und auch von Betriebsräten / Personalräten vom Grundgedanken her – ich spreche nicht von aktueller Umsetzung, vom Selbstverständnis der einzelnen Akteure oder von tagespolitischen Details – im Gegensatz dazu ist die Arbeit von Gewerkschaften und auch von Betriebsräten / Personalräten vom Grundgedanken her alles andere als altruistisch. Die Existenz allein von Gewerkschaften und von Betriebsräten bedeutet schon die Anerkennung der Tatsache, dass der Mensch ein Raubtier ist. Wären nicht viele Unternehmer Heuschrecken, wären nicht alle Unternehmer qua Gesetz Alpha-Kater mit dem Anrecht auf den größten Anteil am Hühnchen, dann bräuchte es keine Gewerkschaften und auch keine Betriebsräte.
Es geht bloß um einen relativen Ausgleich der Machtverhältnisse. Nicht mehr, und auch nicht weniger. Es geht um das Umsetzen von Interessen, das Durchsetzen von Zielen, nicht darum, Unternehmer zu irgendeiner milden Tat zu überreden oder sie gar von einem „gleichmacherischen“ Standpunkt zu überzeugen. Und dies immer mit dem Blick darauf, dass das Hervorheben von Partikularinteressen, wie es Marburger Bund, Gewerkschaft Deutscher Lokführer oder Cockpit betreibt, die Macht der Lohnabhängigen mindert – aber vielleicht sind Ärzte und Piloten gar nicht zu den Lohnabhängigen zu rechnen?
Ich schreibe das in dem Bewusstsein, dass „Europa“ und sowieso die „USA“ diese Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in Frage stellen. Aber das ist ein neues Thema.
Auch ist mir bewusst, dass dies viele Nicht-Organisierte und auch einige Gewerkschafter nicht so sehen. Die haben aber, nach meiner Meinung, den Unterschied zwischen Gewerkschaft und ideologischem Verein nicht verstanden. Eine Mitgliederorganisation, wie Gewerkschaften welche sind, gibt niemandem einen Gegenwert für seinen Vereinsbeitrag, in keiner Währung. Für seine gar nicht so geringen Beiträge darf das Mitglied auch noch arbeiten, so sieht das bei uns aus.