Neid

Mai 26, 2009

Neid ist ein hässlicher, dabei um so stärkerer Antrieb.

Dieser Satz ist noch sehr bekannt und verbreitet. Die meisten denken zuerst an den Neid auf Materielles. Manchmal ist im Roman oder Film mitzuerleben oder in der Aphorismensammlung zu lesen, dass Neid und Missgunst auf das eigene Glück stärker sein und einen härter treffen können. Keinerlei Literatur kann einen aber auf das Erlebnis selbst vorbereiten.

Nachbarn stellen plötzlich fest, dass die Freude über das eigene Glück egoistisch sei, entdecken plötzlich Moral und Anstand (was könnte man da über die angeblich moralisch Überlegenen erzählen, wenn man wollte, will man aber nicht), lästern über behauptete und tatsächliche Schwächen oder Eigenarten (deren Wertung und Beurteilung wie immer im Auge des Betrachters liegt).

Wohl dem, dessen Piesacker tatsächlich lediglich Nachbarn sind, er kann, spätestens nach dem Schwelgen in einer ausgiebigen nicht jugendfreien Fantasie, darüber lachen. Schlager wie Ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens oder Lass die Leute reden von Den Ärzten schön laut aufdrehen kann auch sehr befreiend wirken. Verletzend wird es, wenn einem die Neider etwas bedeuten oder wenn sie die Chance haben, den persönlichen Lebensbereich zu treffen. Andere versuchen vielleicht sogar, mit ihren Diffamierungen z.B. überzogene Geldforderungen zu untermauern. Familiengerichte haben in ihren Akten den Neid der Menschen auf das Glück ihrer Ex-Partner tausendfach dokumentiert.

Vielleicht sind deshalb Serien im Dallas-Format zur Zeit nicht mehr en vogue, weil wir es satt haben, uns selbst zu beobachten. Lieber wollen wir in andere Welten eintauchen und uns dabei beobachten, wie wir edel sind, hilfreich und gut.

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