Wirtschaftskrise, sog.
Mai 29, 2009
Während der Rechner für mich arbeitet, wofür er da ist, hab ich Zeit, mir was zu trinken zu holen und ein bisschen über das Leben nachzudenken.
Ich hab ja neulich gelacht: Dass »ihm« € 200 für (diesmal nicht dringend benötigte) Arbeitsmittel zu viel sind, war nicht unerwartet. Aber dass er dafür als Grund die sog. Wirtschaftskrise bemühte, hat mich sehr überrascht
Heute muss ich noch mehr lachen: € 500 für Werbegeschenke (Kugelschreiber) sind kein Problem. Alles klar?
Entlassungen sind aber bei uns keine zu erwarten. Wie ist das, glauben Sie es, wenn Sie in den Nachrichten oder von Ihrem Chef hören, dass die Kapitalkrise zu Entlassungen zwingt? Verraten Sie es mir:
23. Mai
Mai 29, 2009
Ich habe die Jubilarin ungefähr 1972 kennen gelernt, da war sie 23, ich 6. Von Liebe konnte noch keine Rede sein, ich war zu klein, ich war ehrfürchtig. Damals war sie für mich eine makellose Schönheit, die beste aller Freundinnen. Als Jugendlicher und Jungerwachsener hatte ich dagegen Phasen, in denen ich ihre großen Krankheiten unerträglich fand und ihre Falten zum Gegenstand von aufwendigen Therapien machen wollte. Sie wollte nicht, störrisch wie immer. Ich habe später gelernt, das zu lieben, was sich an ungeschminkten Wahrheiten unter dem Makeup findet.
Sie hat schon immer Gefallen daran gefunden, sich kujonieren zu lassen. Jedenfalls sah es immer so aus. Ganze Heerscharen bedrängen sie, permanent, geführt von einer Gruppe, die sie eigentlich schützen soll. Neu ist, dass seit ein paar Jahren eine Frau die Anführerin dieser Gruppe ist. Wer die Jubilarin liebt, der entdeckt in ihr trotz allem eine trotzige Würde. Ich denke, sie kämpft ihren Kampf. Es gibt da eine andere Gruppe von hauptsächlich Männern, die es sich sehr angelegen sein lassen, dass sich alle an die Regeln halten. Die konnten bislang noch das Schlimmste verhindern. Über kurz oder lang werden sie aber entmachtet. Die Versuche sind zahlreich.
Ich fühle mich hilflos. Früher überwog der Ärger, die freundschaftliche Auseinandersetzung, seit wenigen Jahren habe ich mehr Angst um sie. Meine Frau ist übrigens nur selten eifersüchtig auf sie, denn sie sieht den platonischen Charakter meiner stillen Liebe.
Diese Liebe wird übrigens nicht wirklich erwidert. Meist bricht sie sich ja auch in sehr kritischen Worten und manchmal Aktionen Bahn. Dann schlägt die Jubilarin zurück, oder sind es ihre angeblichen Beschützer? Sehr verwirrend manchmal, aber nur für mich. Für ihre „Beschützer“ ist längst ausgemacht, welches Verhalten gut und welches böse ist, mehr noch, wer gut und wer böse ist. Nachdenklichkeit ist da nicht zu erwarten. Wer die Macht hat, seine Vorstellungen durchzusetzen, der bestimmt auch, wer was sagen darf. Wie das so ist im Wilden Westen.
Ich versuche dann einen Unterschied zu machen zwischen der Jubilarin und ihrer Umgebung. Emotional gelingt das manchmal nicht. Aber, seien wir ehrlich, so ein Auf und Ab ist doch in jeder Beziehung vorhanden und zeigt die emotionale Beteiligung.
Ich wünsche ihr noch ein langes, selbständiges, wehrhaftes, emanzipiertes Leben. Möge sie nicht zu viel beschützt werden.
Neid
Mai 26, 2009
Neid ist ein hässlicher, dabei um so stärkerer Antrieb.
Dieser Satz ist noch sehr bekannt und verbreitet. Die meisten denken zuerst an den Neid auf Materielles. Manchmal ist im Roman oder Film mitzuerleben oder in der Aphorismensammlung zu lesen, dass Neid und Missgunst auf das eigene Glück stärker sein und einen härter treffen können. Keinerlei Literatur kann einen aber auf das Erlebnis selbst vorbereiten.
Nachbarn stellen plötzlich fest, dass die Freude über das eigene Glück egoistisch sei, entdecken plötzlich Moral und Anstand (was könnte man da über die angeblich moralisch Überlegenen erzählen, wenn man wollte, will man aber nicht), lästern über behauptete und tatsächliche Schwächen oder Eigenarten (deren Wertung und Beurteilung wie immer im Auge des Betrachters liegt).
Wohl dem, dessen Piesacker tatsächlich lediglich Nachbarn sind, er kann, spätestens nach dem Schwelgen in einer ausgiebigen nicht jugendfreien Fantasie, darüber lachen. Schlager wie Ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens oder Lass die Leute reden von Den Ärzten schön laut aufdrehen kann auch sehr befreiend wirken. Verletzend wird es, wenn einem die Neider etwas bedeuten oder wenn sie die Chance haben, den persönlichen Lebensbereich zu treffen. Andere versuchen vielleicht sogar, mit ihren Diffamierungen z.B. überzogene Geldforderungen zu untermauern. Familiengerichte haben in ihren Akten den Neid der Menschen auf das Glück ihrer Ex-Partner tausendfach dokumentiert.
Vielleicht sind deshalb Serien im Dallas-Format zur Zeit nicht mehr en vogue, weil wir es satt haben, uns selbst zu beobachten. Lieber wollen wir in andere Welten eintauchen und uns dabei beobachten, wie wir edel sind, hilfreich und gut.