„So etwas wie Transparenz“
Oktober 29, 2008
Der Artikel in der aktuellen c’t (11/2008, Seite 38) zum von Herstellern und Verkäufern immer wieder forcierten Thema des E-Votings zeigt nicht die sonst in dieser Zeitschrift übliche kritische Distanz, aber er gibt dem, der lesen und denken will, in der gebotenen Ausführlichkeit die Denke der wirtschaftlichen Interessengruppen und ihrer Lobbyisten in Politik und Verwaltung wieder. Es bleibt im Kern dabei, dass demokratische Kontrollrechte der Technik geopfert werden, indem sie zwar theoretisch noch bestehen, praktisch aber nur von wenigen technisch Sachverständigen wahrgenommen werden können. Sind darüber hinaus Daten by design oder unfallweise gelöscht (»Oh, das tut uns jetzt aber Leid …«), dann braucht es zum Nachvollzug und zur Kontrolle der Zählung gar einen Forensiker mit entsprechend eingerichtetem Rechner-Labor, oder beides ist gar nicht mehr möglich.
Als einziger Trost bleibt, dass eine elektronisch unterstützte oder über Internet abgewickte Wahl bei Mängeln leichter neu durchzuführen ist; ich glaube aber nicht, dass die Schwelle für Neuwahlen mit flächendeckender Einführung des E-Voting nachhaltig sinken wird.
Der Abbau demokratischer Rechte auch in diesem Politikfeld durch die Hintertür wird der eigentliche Preis sein, den wir, das Volk, für das E-Voting zahlen. Das ist meines Erachtens noch gewichtiger als die Kosten in Euro, die dieses Kommerzialisierungsprojekt uns allen aufbürden wird.
Glauben Sie nicht? Lediglich »so etwas wie Transparenz« möchte eine der Verkaufswilligen laut c’t herstellen. Ich bin da ja maßloser. Mich interessiert immer noch Transparenz, »ein bisschen« Transparenz reicht mir nicht und gibt es auch nur in der EDV (wo Transparenz etwas ganz Anderes bedeuten kann). Bloß, dass meine Forderungen niemanden interessieren, wo doch die Lobbys der Händler so gute Arbeit machen.