Alpha-Kater und Gewerkschaften
Februar 13, 2008
Als ich unseren Katzen beim Hühnchenessen zugesehen habe, musste ich an Gewerkschaftsarbeit denken. Lachen Sie nicht, Sie werden es wahrscheinlich gleich verstehen.
Katzen sind, wie alle Raubtiere und die meisten anderen Tiere wohl auch, nicht zu „sozialem Verhalten“ zu erziehen. Das funktioniert einfach nicht. Was wir „soziales Verhalten“ nennen, ist eigentlich ein Gebot der Vernunft: Es ist einfach klüger, wenn sich Angehörige einer Art nicht gegenseitig den Schädel einschlagen. Interessanterweise scheint es aber bei den Katzen ein gesundes Gleichgewicht zwischen Konkurrenz oder Ellbogen auf der einen Seite und Leben-Lassen auf der anderen zu geben. Nur bei uns Menschen ist diese Balance abhanden gekommen, so dass wir dabei sind, uns selbst umzubringen und den ganzen Planeten gleich kräftig mit reinzureiten, sogar grundsätzlich zu gefährden. Und uns währenddem noch fröhlich zerfleischen.
„Soziales Verhalten“ ist eigentlich vernünftiges Verhalten, habe ich gesagt. Weil wir Menschen aber nach wie vor Triebtiere sind, versuchen wir vielfach, uns selbst und gegenseitig durch altruistische Ideen und daraus entstandene Leitlinien auf dem Weg über das Gefühl zu dem gewünschten Verhalten zu überreden. Populäre Beispiele dafür findet man in der Parteipropaganda jeder Partei. Etablierte Religionen sind in dieser Sparte natürlich Evergreens.
Im Gegensatz dazu ist die Arbeit von Gewerkschaften und auch von Betriebsräten / Personalräten vom Grundgedanken her – ich spreche nicht von aktueller Umsetzung, vom Selbstverständnis der einzelnen Akteure oder von tagespolitischen Details – im Gegensatz dazu ist die Arbeit von Gewerkschaften und auch von Betriebsräten / Personalräten vom Grundgedanken her alles andere als altruistisch. Die Existenz allein von Gewerkschaften und von Betriebsräten bedeutet schon die Anerkennung der Tatsache, dass der Mensch ein Raubtier ist. Wären nicht viele Unternehmer Heuschrecken, wären nicht alle Unternehmer qua Gesetz Alpha-Kater mit dem Anrecht auf den größten Anteil am Hühnchen, dann bräuchte es keine Gewerkschaften und auch keine Betriebsräte.
Es geht bloß um einen relativen Ausgleich der Machtverhältnisse. Nicht mehr, und auch nicht weniger. Es geht um das Umsetzen von Interessen, das Durchsetzen von Zielen, nicht darum, Unternehmer zu irgendeiner milden Tat zu überreden oder sie gar von einem „gleichmacherischen“ Standpunkt zu überzeugen. Und dies immer mit dem Blick darauf, dass das Hervorheben von Partikularinteressen, wie es Marburger Bund, Gewerkschaft Deutscher Lokführer oder Cockpit betreibt, die Macht der Lohnabhängigen mindert – aber vielleicht sind Ärzte und Piloten gar nicht zu den Lohnabhängigen zu rechnen?
Ich schreibe das in dem Bewusstsein, dass „Europa“ und sowieso die „USA“ diese Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in Frage stellen. Aber das ist ein neues Thema.
Auch ist mir bewusst, dass dies viele Nicht-Organisierte und auch einige Gewerkschafter nicht so sehen. Die haben aber, nach meiner Meinung, den Unterschied zwischen Gewerkschaft und ideologischem Verein nicht verstanden. Eine Mitgliederorganisation, wie Gewerkschaften welche sind, gibt niemandem einen Gegenwert für seinen Vereinsbeitrag, in keiner Währung. Für seine gar nicht so geringen Beiträge darf das Mitglied auch noch arbeiten, so sieht das bei uns aus.