»Transnet macht gemeinsame Sache mit dem Bahn-Vorstand«
November 11, 2007
Transnet wird oft als Kollaborateur gescholten. Dabei ist es so: Unternehmensformänderungen (AG, Börsengang) sind unternehmerische Entscheidungen. Die Gewerkschaft könnte hiergegen argumentieren, Macht hat sie dagegen nicht einzusetzen. Dem Betriebsrat geht es genauso. Von außen ist schwer zu beurteilen, ob Betriebsrat, Wirtschaftsausschuss und Gewerkschaft zu schnell klein beigegeben haben. Ein schneller Rückzug passiert leider gern mal, ist aber nicht automatisch zu diagnostizieren, nur weil Transnet und GDBA nicht den Macker markieren und über Unabänderliches laut Scheiße brüllen.
Arbeitskampf darf sich in Deutschland um Tarifverträge drehen, um ihren Erhalt und um ihre Inhalte. Die vorschnelle Zurechtweisung von Transnet, dass der Streik unzulässig sei, geht leicht ins Leere: In den großen Einheitsgewerkschaften gibt es jede Menge Kompetenz, die Zulässigkeit von Streiks vor dem Streik zu prüfen, und natürlich werden bei schwierigen Lagen wie hier zunächst Arbeitsrechtler befragt. Wer mehr als die Schlagzeilen liest, kann erkennen, dass bei Transnet bislang lediglich von der Prüfung die Rede ist, ob ein Streik legal ist, wenn das Unternehmen geteilt und dem Tarifvertrag damit die Grundlage entzogen wird. Man hat Beschäftigungssicherung erreicht, und der Tarifvertrag wird jetzt unterlaufen. Natürlich wird hier jedes Mittel ausgeschöpft.
Innerhalb der Gewerkschaften ist es immer eine offene Diskussion, ob zugunsten der Flächentarifverträge die organisierten und engagierten Kollegen den Kopf hinhalten sollten für die, die nicht streiken wollen. Für die, die nicht streiken dürfen, streiken wir natürlich gern mit. Am Streik gehindert ist die wachsende Gruppe derer, die befristete Verträge haben oder ins unternehmerische Risiko eingebunden wurden durch hohe dynamische, vom Unternehmenserfolg abhängige Gehaltsbestandteile oder gleich als Franchiser. Aber es gibt die große Gruppe derer, die sich haben einschüchtern lassen oder egoistisch sind oder beides, und dann ein großes Wort führen, z.B. in Internetforen. Und da es einen Bestandsschutz gibt für Mitglieder der Tarifparteien, der eventuell hier greifen würde, könnte es sein, dass die Bereitschaft der Transnet-Organisierten, sich hier mal wieder zu verbrennen, gar nicht so groß ist.
Aber das ist eine kleine Rache-Phantasie, die ich nicht als Handlungsgrundlage propagieren würde. Wir erleben eine Zersplitterung in Organisierte und Nicht-Organisierte, in »Schauspieler« (Lokführer, Ärzte, Piloten, …) und »Kulissenschieber« (Dr. Frank Montgomery, damals Marburger-Bund-Oberhaupt), in kleine Betriebsteile. Kurz, das Sterben von Flächentarifverträgen durch Angriffe von allen Seiten. Diese Entwicklung kommt immer den Unternehmen und Aktionären und nie den Lohnabhängigen zu Gute. Und deshalb werden wir in den echten Gewerkschaften Organisierten immer wieder Streiks ausrufen und uns dafür von allen Seiten größtenteils unsachliche und ignorante Kritik anhören, weil es nach wie vor das Klügste ist.
http://mupan.wordpress.com/2008/05/25/transnet/
[...] 25, 2008 Hier und hier habe ich argumentiert, als sei Transnet eine Gewerkschaft, in der Gedanken vorherrschen, wie ich [...]